JVA Rohrbach, Wöllstein

Bei der Bautenplanung spielten die funktionellen Abläufe der JVA eine zentrale Rolle (kurze Wege, kontrollierbare Verbindungen, Übersichtlichkeit, Trennung unterschiedlicher Bereiche etc.). Das Haftgebäude als zentraler Bau der Haftanstalt spiegelt mit seinem doppelt kreuzförmigen Grundriss das Ergebnis dieser Überlegungen wider, welches nicht zufällig an die Haftgebäude des 19. Jahrhunderts erinnert. Diese Gebäude mit ihrem zum Zentrum orientiertem, panoptischen Erschließungssystem haben sich in der Funktion bewährt und so wurde auch für den Neubau ein ähnlicher Gebäudetyp entwickelt. Bei der äußeren Gestaltung der Gebäude traf der Bebauungsplan Vorgaben, die sich an der Gestalt rhein-hessische Siedlungs- und Bauformen orientieren. Auf diesen Vorgaben beruhen die Putzfassaden sowie die flach geneigten Ziegeldächer der Haftgebäude und der Verwaltung sowie die Gründächer der übrigen Gebäude.

Thomas Thielen (Architekt).

Der für Viele überraschend harsche Angriff der Silberlinge
auf eine hier rücksichtsvoll farbige Idylle für Unfreie.

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Es kommt, wenn überhaupt, sehr selten vor, dass sich bei der Einweihung eines Gefängnisses die Autos auf den Anfahrtstraßen kilometerweit stauen. Das Interesse war riesig. Man kommt nicht oft als Ehrengast oder einfach interessierter Gast in eine farbige Anlage dieser Art.

Auch der Justizminister kommt nicht besonders oft ins Gefängnis. Aber aus seinem Ministerium war zuvor der Auftrag an uns ergangen, dieses Gefängnis in den Weinbergen farbig werden zu lassen. Dafür musste er nun selbst einmal zu Besuch hinein; schade, dass er zur Eröffnung auch in eine graue Anlage hätte kommen müssen.

Natürlich hat auch das alles eine Geschichte. Die Gemarkung gehört zum Weindorf Wöllstein. Man war dort gar nicht begeistert über die künftig einsitzenden Gäste, weil man sie nicht als spätere Kunden der Weingüter vermutete... Also erbat das Dorf eine besondere Gestaltung, die das Justizministerium als Bauherr ermöglichte. Wir erarbeiteten die farblichen Gestaltungs-Entwürfe - bis hinein in die Zellen. Die helle Gefängnismauer wolltenn wir unbedingt und konsequent landschaftsnah dunkler halten; die Bilder zeigen, wie dunkel immer eine auch von der Sonne beschienene Landschaft ist. Unsere leise Rhythmisierung erschien uns als zu wenig. Wir wollten die Mauer in dunkel wechselnden Tönungen „auflösen“.
Ein Ministerialrat im Justiz-Ministerium bestand in einem langen Zwiegespräch darauf, dass installierte Beobachtungskameras Flüchtende dann nicht würden aufnehmen können. V.Garniers Vorschlag, zur Problemlösung helle Fluchtkleidung auszugeben, setzte sich nicht durch ... .

Stand: 06/10/2008 - 13:02 - ©2008 - 2014 Studio von Garnier • Impressum